ein Gemeinschaftsprojekt von

Mirko Zwack (2011). Die Macht der Geschichten. Erzählungen als Form der Wertevermittlung in Familienunternehmen. Heidelberg: Carl Auer (Verlag für Systemische Forschung)

Qualitativ hochwertige Forschungsarbeiten im Bereich systemischer Organisationspsychologie findet man nicht wie Sand am Meer. Die vorliegende Arbeit, sehr zu Recht 2011 mit dem Forschungspreis der Systemischen Gesellschaft (SG) ausgezeichnet, ist jedoch eindeutig als eine solche zu bezeichnen.
Dr. Mirko Zwack, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sektion Medizinische Organisationspsychologie der Universität Heidelberg, verfolgt in seiner hier vorliegenden Studie, einer Mixed Methods Untersuchung, die These, dass Werte in Familienunternehmen über Geschichten vermittelt werden. Im empirischen Teil der Arbeit zeigt er auf Basis von qualitativ-narrativen Interviews mit unterschiedlichen Stakeholdern aus drei Familienunternehmen in Fallstudien, wie zur Begründung des Unternehmenserfolgs auf ähnliche Narrative zurückgegriffen wird. Damit kann illustriert werden, dass ähnliche Geschichten von verschiedenen Personen als Referenzpunkte im Organisationsgeschehen verwendet werden. Fallstudien zählen zu den qualitativen Forschungsmethoden, die als Datenquellen etwa mit schon vorhandenen Dokumente, Interviews, Teilnehmende Beobachtung oder Artefakte arbeiten. Zwack führte schwerpunktmäßig halbstrukturierte Interviews durch, analysierte die Internetauftritte der drei Familienunternehmen und ergänzte diese durch Sekundärdaten aus dem STEP-Projekt. STEP ist ein Forschungsprojekt des Wittener Instituts für Familienunternehmen, dessen Fokus auf dem generationsübergreifenden Erhalt von Unternehmertum liegt. Es wird innerhalb des STEP-Projekts gefragt, wie sich Familienunternehmen über lange Zeit hin überlebensfähig halten, wie der Einfluss der Familie auf Unternehmertum im Unternehmen gestaltet ist, welche Rolle Unternehmertum aus transgenerationaler und aus individueller Sicht dabei spielt und welche ideosynkratischen Strategien Familienunternehmen in den verschiedenen Ländern dabei jeweils finden. Desweiteren ergänzte Zwack die qualitativen Daten um einen quantitativen Untersuchungsteil, verwirklicht mittels Fragenbogenerhebung. In diesem konnte er dann zeigen, dass diese Geschichten von den Rezipienten weitgehend inhaltsähnlich interpretiert werden. Die spitzgipflige Antwortverteilung erlaubte Zwack dann, an der These der Wertevermittlung durch Geschichten festzuhalten: In Unternehmen wird nicht nur auf ähnliche Narrative zurückgegriffen, sie werden auch von unterschiedlichen Rezipienten ähnlich interpretiert.
Das vorliegende Buch ist aber sehr viel mehr als die Dokumentation einer methodisch sehr gut nachvollziehbar gut durchgeführten Studie – keine Selbstverständlichkeit bei dem schnell schwammig werdenden Forschungsinstrument der Fallstudie ; es ist darüber hinaus eine sehr lesenswerte kleine Einführung in die Systemtheorie von Familienunternehmen, der Wertevermittlungsforschung und der narrativen Familienunternehmensforschung. Für an Forschung interessierte Unternehmensberater und Organisationsentwickler stellt diese Arbeit deshalb fast schon eine Art Pflichtlektüre dar.

Dr. Matthias Ochs